
Die Beschäftigung mit der Geschichte kann
ein sehr spannendes Abenteuer sein, denn im Gestern und
Vorgestern stecken oft die Ursachen für das Heute und die
Anlagen für das Morgen und Übermorgen.
In größeren Dimensionen, also global, kontinental oder
national, kann die Geschichte etwas abstrakt und dröge
wirken, was sich mit zeitlichem und örtlichem Abstand zur
Gegenwart noch verstärkt. Denn wer interessiert sich schon
ernsthaft dafür, wo der Dreißigjährige Krieg losging und wer
ihn angezettelt hatte.
Doch diese abstrakte Geschichte spielte sich
bedauerlicherweise nicht in den Gemächern derer ab, die sie
steuerten und davon profitierten, sondern Geschichte
durchzog stets das Land, verwüstete Dörfer, baute sie wieder
auf, veranlasste größere und kleinere
Bevölkerungsbewegungen. Somit ist sie letztlich dafür
verantwortlich, wie es unseren Vorfahren erging und wie es
uns ergeht, uns und unseren Nachbarn. Und diese so genannte
Mikrohistorie ist ungemein spannend, denn sie handelt von
den Menschen: also von uns.
Geschichte bis 1945
Vorgeschichte:
5000 bis 2000 v. Chr. Jungsteinzeit: Bodenfunde auf
Hagenbachs Gemarkung (Steinwerkzeuge)
2000 bis 900 v. Chr. Bronzezeit: Bodenfunde (Bronzestatuette
des Bacchus, Bronzeseiher, Bronzespitze)
ab 800 v. Chr. Eisenzeit: Bodenfund (eisernes Schwert)
1. bis 10. Jahrhundert:
um 100 n. Chr. Römer in unserer Heimat, Bau der Römerstraße
200 bis 400 Aufstellen der römischem Meilensteine,
Bodenfunde (zwei römische Gräberfelder; Hagenbacher
Schatzfund: größter Fund seiner Art nördlich der Alpen).
um 250 Beginn der Völkerwanderung, Alemannen und Franken
drängten über den Rhein in unser Heimatgebiet
400 bis 440 Burgunden besetzten unsere Heimat
um 400 Die Römer zogen sich hinter die Alpen zurück
um 500 Franken wurden bei uns in der Region sesshaft
um 600 Unsere Vorfahren werden Christen
um 850 Vermuteter Zeitabschnitt der Entstehung Hagenbachs,
das bis Ende des 16. Jahrhunderts Hagenbuch hieß
(althochdeutsch: „haganbuohha“ = Hainbuche).
Hagenbach im Besitz des Klosters Weißenburg
11. bis 13. Jahrhundert:
1146 Am 23. und 24. Dezember weilte Bernhard von Clairvaux
(Abt der Zisterzienser und Klostergründer) auf seiner
Rheinreise nach Speyer in Hagenbach. In seinem Reisetagebuch
ist Hagenbach erstmals urkundlich erwähnt.
1281 König
Rudolf von Habsburg erhob Hagenbach zur freien Stadt,
was durch das Stadtrecht die folgenden Privilegien nach sich
zog:
- das Recht auf befriedete Marktausübung (Marktrecht),
- das Recht auf schützende Einhegung (Stadtmauer) der
Siedlung,
- das Recht auf kommunale Selbstverwaltung sowie
- das Recht auf städtische Gerichtsbarkeit (niedere
Gerichtsbarkeit).
1291 Die Stadt Hagenbach wird von einem Vogt verwaltet,
woraus sich der Name Vogtei Hagenbach ableitet.
1297 Älteste in der Stadt Hagenbach ausgestellte Urkunde mit
anhängendem Siegel: Hainbuche - Sigillum Civitatis (Siegel
der Bürgerschaft) in Hagenbach.
14. und 15. Jahrhundert:
1330 Kaiser Ludwig IV. verlieh die Stadt Hagenbach an den
Markgrafen Rudolf III. von Baden.
1357 Unter Badens Herrschaft stand Hagenbach im Ruf, eine
Raubritterstadt zu sein. Zur Strafe ließ Kaiser Karl IV. die
Stadt „zerbrechen und niederlegen“ (niederbrennen).
1361 Das zerstörte Hagenbach wurde wieder aufgebaut und ging
danach als Reichslehen an die Kurpfalz.
1395 6. Juni 1395: Erstmals tauchte die Bezeichnung
„Unteramt Hagenbach“ in einer Geschichtsquelle auf. Es war
dem "Oberamt Germersheim" zugeordnet. Das Unteramt Hagenbach
hatte seinen Verwaltungssitz in der Stadt Hagenbach. Von
hier aus wurden verwaltet: Berg, Dettenheim, Neuburg,
Neuburgweier, Pfortz, Vorlach, Wörth und natürlich die
Unteramtsstadt Hagenbach selbst.
1484 Rest-Rechte des Klosters Weißenburg in Hagenbach gingen
gänzlich an die Kurpfalz über.
16. Jahrhundert:
1525 Bauernaufstand: Am 16. 03. 1525 geriet die
Unteramtsstadt Hagenbach in die Hände der Aufständischen.
Hagenbachs Verwaltungsgebäude, die Burg zu Hagenbach, wurde
zerstört.
1556 Reformationszeit: Unter Kurfürst Friedrich II.
wechselte Hagenbach vom katholischen Glauben zum
lutherischen. Der Fürst bestimmte das Glaubensbekenntnis
seiner Untertanen: cuius regios, eius religio (wessen Land,
dessen Religion) lautete der Grundsatz.
1563 Religionswechsel: Unter Kurfürst Friedrich III. wurden
Hagenbachs Bewohner calvinistisch.
1577 Religionswechsel: Kurfürst Ludwig VI. führte seine
Untertanen wieder zum lutherischen Glauben zurück.
1583 Religionswechsel: Unter Kurfürst
Johann Kasimir wurden die Bürger Hagenbachs erneut
calvinistisch.
um 1600 Der bisherige Ortsname „Hagenbuch“ („Haganbuohha“ =
Hainbuche) veränderte sich endgültig zu „Hagenbach“.
Nachweislich seit 1297 ziert eine Buche Hagenbachs Wappen.

17. Jahrhundert:
1618 Ausbruch des
Dreißigjährigen Krieges
1622 Hagenbuch erhielt österreichische, da Habsburgerisch
auch katholische, Besatzung. Unter Erzherzog Leopold Wilhelm
von Österreich kehrten die Menschen in Hagenbach wieder zum
katholischen Glauben zurück.
1633 Schwedische Reiter besetzten Hagenbach.
1635 Hagenbach war wieder in der Hand der Österreicher.
1644 Französische Besatzung in Hagenbach.
1645 Matthäus
Merian fertigte einen Kupferstich vom mittelalterlichen
Hagenbach an.
1648 Ende des Dreißigjährigen Krieges. In
Glaubensangelegenheiten kehrten die Vorkriegsverhältnisse
zurück: Hagenbach wurde wieder calvinistisch.
1649 Nach langer Unterbrechung durch den Krieg tagte am
12.12.1649 wieder das Hagenbacher „Herrengericht“.
1674 Die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV.
brannten Hagenbach und Neuburg gänzlich nieder.
1679 Französischen Truppen hatten die Herrschaft am
Oberrhein. Ihren Anspruch auf Hagenbach begründeten sie mit
dem Hinweis, dass der Ort einst zum Kloster Weißenburg
gehörte.
1685 In Hagenbach entstand wieder eine katholische Pfarrei.
Als Filialen gehörten Berg, Neuburg, Pfortz und Wörth dazu.
Beginn des Pfälzischen Erbfolgekrieges
1694 15. 09. 1694: Errichtung einer Schiffsbrücke von
Daxlanden nach Hagenbach. 40 000 Soldaten, unter dem Befehl
von
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden („Türkenlouis“),
überquerten den Rhein und schlugen vor den Stadttoren
Hagenbachs ihr Lager auf. Am 24.09.1694 zogen sich die
deutschen Truppen unter dem Druck der Franzosen wieder über
den Rhein zurück.
1697 Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges durch den am
20.10.1697 geschlossenen Frieden von Rijswijk. Das Unteramt
Hagenbach blieb aber unter französischer Verwaltung.
18. Jahrhundert:
1701 Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges.
Deutsche Truppen erobern Hagenbach zurück.
1703 Hagenbach wurde wieder von Franzosen besetzt.
1705 Am 21.11.1705 verkündete Kurfürst Johann Wilhelm von
Pfalz-Neuburg (Neuburg in Bayern!) die Pfälzische
Religionsdeklaration. Jetzt erhielten Katholiken,
Calvinisten und Lutheraner wieder das Recht auf freie
Religionsausübung.
1708 Nachdem Hagenbach am 19. 08. 1708 wieder in deutscher
Hand war, zogen sich die Franzosen hinter die „Weißenburger
Linien“ (eine französische Befestigungsanlage entlang der
Lauter von den Vogesen bis zum Rhein), zurück.
1714 Am 07.03.714 endete der Spanische Erbfolgekrieg durch
den Rastatter Frieden. Das Unteramt Hagenbach wurde wieder
dem Oberamt Germersheim zugeordnet. Nach 41jähriger
französischer Fremdherrschaft gehörte Hagenbach auch wieder
zur Kurpfalz. Hagenbach zählte damals ca. 470 Einwohner.
1768 Nach 408 Jahren bei der Kurpfalz,
kam das Unteramt Hagenbach mit dem Unteramt Seltz am
29.05.1768 auf dem Tauschweg zu dem Herzogtum
Pfalz-Zweibrücken. Das Hagenbacher Unteramt behielt seine
bisherige Funktion, war aber von diesem Zeitpunkt an dem
Zweibrücker Oberamt Guttenberg angegliedert, das seinen Sitz
in Minfeld hatte.
1789 Ausbruch der Französischen Revolution. Zusammen mit dem
Herzogtum Pfalz-Zweibrücken geriet Hagenbach nach und nach
wieder in den Einflussbereich französischer Verwaltung.
1792 Ausbruch des 1. Koalitionskrieges. Hagenbach erhielt
französische Besatzung.
1797 Hagenbach gehörte zum französischen Departement
Bas-Rhin (Nieder-Rhein) mit der Hauptstadt Straßburg.
Lauterburg war Hagenbachs Kantonsstadt. Der Bürgermeister
nannte sich Munizipalagent und der Stadtrat Munizipalrat.
Das Unteramt Hagenbach hatte seine Funktion eingebüßt. Diese
Situation brachte die Stadt Hagenbach um ihre historische
Rolle. Die Stadt wurde von diesem Zeitpunkt an wie jede
andere Gemeinde behandelt.
1799 In Paris gelangte
Napoleon Bonaparte durch einen Staatsstreich an die
Macht und erklärte die Revolution für beendet. Danach
überzieht er Europa bis zum Jahre 1815 nahezu ununterbrochen
mit Kriegen.
19. Jahrhundert:
1800 Hagenbach zählte 1000 Einwohner.
1801 Nach
dem Friede von Lunéville vom 09.02.1801 trat das deutsche
Reich das gesamte linke Rheinufer an Frankreich ab.
1803 Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg: Bis auf
sechs verloren alle freien Reichsstädte ihre
Reichsunmittelbarkeit, sie blieben aber Städte. Hätte
Hagenbach um 1803 zum deutschen Reichsgebiet gehört, wäre es
sehr wahrscheinlich heute noch Stadt. So aber gingen
Hagenbachs Stadtrechte unter Napoleon lautlos unter.
1814 und 1815 Wiener Kongress, bei dem die Mächte, die
Napoleon Bonaparte zuvor besiegten, Europa in Teilen neu
ordneten.
1814 Infolge des 1. Pariser Friedens vom 30.05.1814 erhielt
Frankreich wieder die Grenzen von vor 1792, wodurch
Hagenbach wieder französisch wurde.
1815 Durch den 2. Pariser Frieden vom 20.11.1815 wurde die
Lauter Frankreichs Staatsgrenze und Hagenbach kehrte in den
deutschen Staatsverbund zurück.
1816 01.05.1816: Das Gebiet der Pfalz wurde bayrisch und
somit auch Hagenbach. Es gehörte zum Landeskommissariat
Germersheim, das in zwei Kantone aufgeteilt wurde: Kanton
Germersheim und Kanton Kandel, zu dem Hagenbach zählte. Nach
der Rückkehr in den deutschen Staatsverbund hatte Hagenbach
die Möglichkeit zur Rückholung seiner Stadtrechte leider
nicht genutzt.
1817 Beginn der Rheinbegradigung unter
Johann Gottfried Tulla.
1833 Neuer Friedhof in Hagenbach.
1839 Errichtung einer jüdischen Schule.
1847 Bau eines neuen Rathauses, das man inzwischen „Altes
Rathaus“ nennt.

1848 und 1849 Badische Revolution
1849 bis 1852 Hagenbach verlor 217
Einwohner durch Auswanderung (11%).
1854 Errichtung der Schwesternstation der „Armen
Schulschwestern“ (Seit 1972: Institut St. Dominikus Speyer)
1868 Jüdischer Friedhof in Hagenbach.
1870 bis 1890 Hagenbach verlor 289 Einwohner durch
Auswanderung (15 %).
1871 und 1871 Deutsch-französischer Krieg. Vier Gefallene
aus Hagenbach.
1870 Am 24.07.1870 startete Ferdinand Graf von Zeppelin von
Hagenbach aus zusammen mit fünf weiteren Offizieren und
sieben Ordonnanzen seinen berühmten militärischen
Erkundigungsritt durch das nördliche Elsass.
1876 Am 25.07.1876 wurde Hagenbach Bahnstation.
1878 Ein neues jüdisches Schulhaus wurde errichtet.
1885 Am 08.05.1885 fand die Einweihung der Hagenbacher
Synagoge statt, die in der Reichskristallnacht Opfer der
Flammen wird.
20. Jahrhundert:
1900 Hagenbach zählte 1660 Einwohner
1903 Am 15.02.1903 wurde der erste Kindergarten eröffnet.
1907 Anschluss an das öffentliche Stromnetz
1912 Bau der Marienapotheke
1914 Bau des Forstamts
1914 bis 1918 Erster
Weltkrieg
Von den 403 Hagenbacher Kriegsteilnehmer wurden 71
Kriegsopfer.
1924 Die jüdische Schule wird wegen Schülermangels
geschlossen.
1925 Hagenbach zählte 2000 Einwohner.
1933 Beginn des Dritten Reiches
1935 Absetzung des 1. Bürgermeisters
1937 Schulverbot für die klösterlichen Lehrkräfte (Schul-
und Kindergartenschwestern)
Bau von zwei Arbeitsdienstlagern und einem
Wehrertüchtigungslager an der Kandeler Straße
1938 Auflösung der Bürgermeisterei Hagenbach und
Angliederung an Wörth
Errichtung des ersten Kieswerkes in Hagenbach
Bau des Westwalles mit 28 Bunkern auf Hagenbacher Gemarkung
Vom 9. zum 10.11.1938 Zerstörung der Hagenbacher Synagoge
(Reichskristallnacht)
1939 bis 1945 Zweiter
Weltkrieg
1939 01.09.1939: Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
03.09.1939: Hagenbach, ein Ort in der so genannten „Roten
Zone“, musste total evakuiert werden. Unterkunft fanden die
Menschen im „Gau Mainfranken“ (Unterfranken) im Gebiet um
Volkach, Haßfurt und Gerolzhofen.
1940 Mitte August kehrten die Evakuierten nach Hagenbach
zurück.
1944 15.12.1944: Beginn der zweiten Evakuierung, die jedoch
diesmal unter eigener Verantwortung und ohne vom Staat
vorgegebenes Ziel ablief.
1945 25.03.945: Palmsonntag, morgens 8 Uhr: Besetzung
Hagenbachs durch französische Streitkräfte. Die Bevölkerung
litt unter der Brutalität der Besatzung.
08.05.1945: Kriegsende nach bedingungsloser Kapitulation.
Insgesamt 170 Kriegsopfer waren in Hagenbach zu beklagen.
Geschichte nach 1945
Das Jahr 1945 brachte eine Zeitenwende, die damals noch
nicht absehbar war. Bis dahin zogen in schöner
Regelmäßigkeit Kriege und Verwüstungen durch unsere Region,
vom Bauernkrieg an bis zum Fanal des Zweiten Weltkrieges.
Die geografische Lage Hagenbachs brachte es mit sich, dass
sich in unserer Region fast immer Deutsche und Franzosen
gegenüber standen, einzig der Bauernkrieg von 1505 bis 1525
und die Badische Revolution von 1848 und 1849 konnten ohne
französische Hilfe durchgeführt werden.
Eine Reihe weiser – weil geschichtskundiger – Politiker
ermöglichte nach 1945 einen Neubeginn in Europa, der unsere
Region in eine Epoche des Friedens überführte, in der Krieg
heute undenkbar scheint. Pfälzer und Elsässer suchen sich
zwar immer noch gegenseitig auf, aber in der Regel nur zum
Einkaufen und Essen. Wer vor 1989 mit der Bahn von Frankfurt
Richtung Hannover fuhr, konnte entlang des Werratals
beobachten, dass eine gute Nachbarschaft keine
Selbstverständlichkeit ist. Denn da bot sich der
befremdliche Anblick eines mäandernden 50 Meter breiten
Todesstreifens mit Stacheldraht, Wachtürmen und merkwürdig
leblosen Ortschaften jenseits dieser unnatürlichen
Trennlinie.
Von 1945 bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland am
24. Mai 1949 – da trat das Grundgesetz in Kraft – war eine
schwere Zeit, es herrschten Armut und Hunger.
Rheinland-Pfalz war zusammen mit Baden,
Württemberg-Hohenzollern sowie dem Saarland unter
französischer Verwaltung. Die Währungsreform am 21. Juni
1948 leitete eine Normalisierung der Verhältnisse ein.
Eine Fehlinterpretation eines Dokuments, das sich auf den
ersten Blick wie ein Urkunde Hagenbachs aus dem Jahre 848
präsentierte, veranlasste die Hagenbacher im Nachkriegsjahr
1948 zu einer ausgelassenen Feier, die sich durch einen
großen historischen Festumzug und eine Aufführung des
Schauspiels „Jedermann“
von Hugo von Hofmannsthal auszeichnete.
1950 zählte Hagenbach 2340 Einwohner, doch 1963 wurde
bereits die 3000er Schwelle übertreten. 1969 betrug die
Einwohnerzahl 4000, im Jahre 1990 schließlich 5000 und heute
scheint sich mit etwas mehr als 5600 Einwohnern die
Bevölkerungszahl zu stabilisieren.
Für den Wiederaufbau in Hagenbach war aufgrund der stärkeren
Zerstörungen mehr Energie erforderlich als in den
Nachbargemeinden. Und durch die Grenznähe war diese Gemeinde
nicht in dem Maße Ziel von Infrastrukturförderung. So war
der Besuch einer weiter führenden Schule schon mit einer
täglichen Reise nach Landau verbunden. Obwohl sich die
Situation durch die Schulen in Wörth schon spürbar entspannt
hatte, war es 1992 schon ein besonderes Ereignis, dass die
1964 in den Gebäudekomplex der Grund- und Hauptschule Am
Stadtrand verlagerte und 1973 erweiterte Schule eine 10.
Klasse erhielt, deren Abschluss die Mittlere Reife ist.
Diese Schule dient in den Klassen 1 bis 4 als Grundschule
Hagenbachs, die Klassen 5 bis 9 der Hauptschule stehen
jedoch auch den Kindern der Gemeinden Berg, Neuburg und
Scheibenhardt zur Verfügung.
1960 ging der katholische Kindergarten St. Michael im Hof
des Schwesternhauses in Betrieb, wurde jedoch 1993 in die
Straße Am Stadtrand verlagert. 1974 wurde zusätzliche der
Gemeinde-kindergarten im Konrad-Adenauer-Ring eröffnet.
Auch im Bereich des Kerns Hagenbachs zeigt sich Ende der
70er Jahre wieder ein erstes architektonisches
Selbstbewusstsein. Den Anfang machte der 1978 von dem
Hagenbacher Künstler Dirk Boege errichtete Dorfbrunnen vor
der St.-Michaels-Kirche. 1987 folgte das neue
Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde, das auch Räume für
die Sparkasse und die Post bereit hielt. Im Jahre 1988
erhielt die St.-Michaels-Kirche einen neuen Außenanstrich
und 1996 eine Parkanlage, die regelmäßig für Konzerte
genutzt wird. 2003 wurde die Neugestaltung des
Obertorplatzes abgeschlossen und 2004 folgte der erste Teil
der Ludwigstraße, deren zweiter Teil 2006 pünktlich zu den
großen Feierlichkeiten fertig gestellt sein wird.
Am 1. Juli 1998 wurde das „Kulturzentrum Am Stadtrand“
offiziell übergeben.
Und am 22. Januar 2006 schloss sich der Kreis und Hagenbach
erhielt im Rahmen einer Feierstunde die Stadtrechte vom
rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck
verliehen.
Schlusswort aus der Ortschronik:
Abschließend seien die drei letzten Absätze aus der
umfassenden Publikation des Hagenbacher Ehrenbürgers Hermann
Dreizehnter über die Geschichte Hagenbachs zitiert, die eine
wechselvolle und entbehrungsreiche Geschichte in ein
versöhnliches Ende überleiten:
Die geschichtliche Entwicklung der letzten Jahre hat, Gott
sei Dank, wesentlich dazu beigetragen, auch Hagenbachs
geografische Randlage zu entschärfen und zu mildern. Das
ehemalige Grenzland an Lauter und Rhein ist zu einem
Herzland Europas geworden. Europa als Vision ist hier längst
schon Realität. In einem so liebenswerten und
kulturgeschichtlich überaus reichen Heimatraum am Oberrhein
haben die Herzen der Menschen über alle Grenzen hinweg
zueinander gefunden, sie sind echte Freunde geworden.
Wirtschaftlich betrachtet ist die Region zwischenzeitlich
ein eng verflochtener Raum, in dem gut zusammen gearbeitet
und zusammen gelebt wird. Sichtbares Zeichen hierfür ist das
im ehemaligen Zollhaus von Lauterburg eingerichtete
PAMINA-Büro (PA = Palatinat [Pfalz], MI = Mittlerer
Oberrhein, NA = Nord Alsace), eine Informations- und
Beratungsstelle für grenzüberschreitende Fragen im Gebiet
zwischen Pfälzer Wald und Vogesen auf der einen und dem
Schwarzwald auf der anderen Rheinseite. So kontrastreich und
vielfältig wie die Topografie des von der Natur begünstigten
Landstrichs unserer Heimatregion, so interessant wird
höchstwahrscheinlich für die Menschen, die hier leben, in
Zukunft die wirtschaftsgeografische Landkarte mit ihren
Fixpunkten in Industrie, Handel, Handwerk und
Landwirtschaft.
Das Panorama unserer Heimat als Lebens- und
Wirtschaftsregion braucht dann jenen Menschenschlag, so wie
er sich im ehemaligen Grenzland seit Jahrhunderten unter
besonders harten Bedingungen und Verhältnissen entwickelte:
bodenständig und weltoffen, traditionsbewusst und
zukunftsorientiert, arbeitsam und lebensfroh, selbstsicher
und grenzüberschreitend. Die Menschen unserer Heimat werden
sich den neuen Herausforderungen stellen. Der Anspruch wird
hoch sein. Aber sie werden es auch diesmal schaffen. Von der
Geschichte geprägt, werden sie es verstehen, Bewährtes zu
bewahren und Neues zu schaffen. Nicht mehr an den Rand
gedrückt und im Schatten einer schmerzenden Grenze, nicht
mehr im Abseits, nein, jetzt in der Mitte, im Herzen
Europas.
„Die geschichtlichen Daten wurden aus der Ortschronik der Stadt Hagenbach von Altbürgermeister Hermann Dreizehnter entnommen