Wappenschwindel
Hat man Ihnen aus irgendwelchen Quellen ein Wappen
zugetragen oder hat Ihnen ein Familienangehöriger
von einer solchen Begebenheit berichtet?
Wie
erkennen Sie nun, dass es sich dabei tatsächlich um
ein korrektes Wappen handelt, welches Sie führen
dürfen?
1. Entspricht es
den allgemeinen heraldischen Regeln?
Häufig werden bei
Fälschungen elementare Regeln der Heraldik missachtet, z.B.
werden Farbnuancen wie dunkelblau und hellblau unterschieden.
Interessant sind auch die Proportionen des Wappens. Bei
Fakewappen ist die Helmzier tendenziell zu klein geraten, Helm
und Zier wirken auf dem Schild "verkümmert". In der deutschen
Heraldik ist das Verhältnis von Schild und Helmzier etwa 1:1
(grober Richtwert). Weitere Anhaltspunkte liefert die
Blasonierung. Werden Bestandteile des Wappens falsch
beschrieben, ist dies ein ernster Hinweis auf eine Fälschung.
Zum Beispiel wurden Büffelhörner fälschlicherweise als
Elefantenrüssel blasoniert.
2. Ist eine Quelle angegeben,
in der das Wappen erschienen sein soll?
Gerade auf Messen und Ausstellungen bieten Fälscher an mittels moderner Computertechnik alte Familienwappen auffinden zu können. Meist werden Wappen einer namensgleichen Familie kopiert oder das Wappen hat sogar keinerlei Bezug zur Familie. Gerne bedienen sich die Anbieter fiktiver Wappensammlungen, um ihr "Forschungsergebnis" zu stützen. Folgende Fake-Wappensammlungen werden in diesem Zusammenhang gebraucht:Grützmacher, Kurz´sche Wappensammlung, Große Lieber´sche Wappensammlung, Großes Zanger´sches Wappenwerk, Europäische Wappensammlung.
Alte Fälschung: Das Wappen gehört tatsächlich zu einer Familie
Klocke, bürgerlicher Siebmacher Abteilung 9 Tafel 50. Es wurde
kopiert und weiterverkauft. Der Fälscher bediente sich der
Europäische Wappensammlung als Quelle und warb mir einer adligen
Abstammung.
3. Wie hoch ist die Qualität
der gelieferten Wappenzeichnung?
Manchmal kann der
optische Eindruck ein erster Hinweis auf eine Wappenfälschung
sein. Sieht ein "altes" Wappen aus, als wäre es am Rechner
zusammengestückelt worden, sollte man das Werk kritisch
hinterfragen. Es gab und gibt aber auch Fälscher, die
akademische Kunstmaler bzw. Porzellanmaler oder Graveure waren.
Ihre Wappen sind künstlerisch sehr gut und meist auch heraldisch
korrekt. Die Fälschungen zwischen 1806 und 1935 waren aus der
Not geboren. Offiziell wurden keine Wappenbriefe mehr an
Bürgerliche ausgestellt und so war man zum Fälschen gezwungen.
Die Anbieter waren zum Teil sogar königliche Hoflieferanten oder
höhere Mitarbeiter bei den diversen Heroldsämtern. Gute (Ver)Fälschungen
erkennt man nur durch Vergleich.
4. Gibt es Hinweise auf Ihren
Mannesstamm oder ist nur der Name angegeben?
Genealogische Angaben sind Gold wert. Wie möchte der Anbieter denn nachweisen, dass eine Familie ein aufgefundenes Wappen führen darf, wenn er keinerlei Kenntnis vom Stammbaum der wappenführenden Familie hat. Familienwappen sind erblich und dürfen auch nur von Nachkommen des Wappenstifters geführt werden. Die Behauptung, ein altes Familienwappen nur aufgrund von Namensgleichheit gefunden zu haben, ist also auf jeden Fall unseriös.
Neue Fälschung: Das Wappen stammt von einer US Firma und wurde
zusammen mit einem Buch verkauft. Die Bestandteile des Wappens
passen nicht zusammen: Schottischer Esquire-Helm, Blason,
Elefantenrüssel statt Hörner. Als Quelle wurde der seriöse
Rietstap genannt. Das Wappen ist unter dem angegebenen Namen
dort aber nicht auffindbar. Das Wappen wirkt
"zusammengestückelt" und die Helmzier ist verkümmert.
5. Enthält die
Wappenbeschreibung zu viele Heldengeschichten?
Ein Wappen kann man gut verkaufen, wenn es der Familie möglichst viel Ehre bringt. Meist wird behauptet, die Familie sei adliger Abstammung. Sicherlich gehen die Nachkommen der mediatisierten Reichsritter-Familien heute in die Hundertausende. Es waren über 16.000 Familien in den Matrikeln eingeschrieben. Die landständische Ritterschaft hat mit Sicherheit noch mehr Nachkommen. Darüber wurden aber keine zentralen Matrikeln geführt. Laut Auskunft des Deutschen Adelsarchivs in Marburg gehören die Nachkommen der Reichsritterschaft auch heute noch theoretisch zum Adel. Auch wenn sie nicht mehr im genealogischen Handbuch des Adels geführt werden, können sie sich dort jederzeit - bei Nachweis der Abstammung - wieder eintragen lassen. Genau das ist der Punkt; die Abstammung muss nachweisbar sein. Ein seriöser Genealoge oder Heraldiker weiss das und wird nur von einer adligen Abkunft sprechen, wenn er es durch eine Stammreihe beweisen kann.Ist dies nicht möglich oder werden nur wage Andeutungen gemacht, sollte man davon ausgehen, dass die Familie nicht adliger Abstammung ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch Interpretation der Wappenbestandteile. Figuren und Tinkturen können nicht eindeutig gedeutet werden! Werden also in einer Wappenbeschreibung alle Bestandteile des Wappens mit Heldentaten der Familie erklärt, hat man es mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem Fakewappen zu tun. Bei Zweifeln wenden Sie sich am besten an einen heraldischen Verein. Diese sind seriös und helfen Ihnen sicher weiter. Auch eine Frage im Forum von Heraldik im Netz kann sich lohnen.
Quelle: Heraldik im Netz Autor: Christian Ader